Zusatzinfos Supervision/Coaching

Im Internet unter:
http://www.dgsv.de/supervision
finden sich folgende Bemerkungen:
„Supervision und Coaching sind die konzeptionellen Grundlagen für die Beratung von Personen in ihren beruflichen Rollen und Positionen. Zentrales Element des Beratungsprozesses ist die Reflexion. Der Ratsuchende wird dabei unterstützt, Klärung und Entwicklung auf Basis eigener Erkenntnisse zu erreichen.
Supervision und Coaching setzen die Bereitschaft voraus, einen ergebnisoffenen Beratungsprozess zu gestalten. Der weitgehend unabhängigen Position der Supervisorin kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.
Supervision ist eine Beratungsdisziplin mit 100jähriger Geschichte und vitalem Fachdiskurs. Supervisor/innen verfügen grundsätzlich über eine akademische Vorbildung. Die daraus resultierende Vielfalt der Blickwinkel bestimmt praxisbezogene und wissenschaftliche Diskurse in der Supervision und kennzeichnet eine Wissenschaft in Bewegung.
Ob Teamentwicklung, Organisationsberatung, Coaching oder Supervision – Berater/innen benennen unterschiedliche Formate, um zielgerichtet auf die jeweiligen Bedürfnisse der Ratsuchenden abgestimmt arbeiten und wirken zu können.
Die DGSv bietet hierfür einen Qualitätsrahmen und Ethische Leitlinien, auf die sich ihre Mitglieder verpflichten. So werden Diskurs und Entwicklung gewährleistet und zugleich Verlässlichkeit und Stabilität geboten“

Und unter:
http://www.dgsv.de/2011/10/supervision-und-coaching-ganz-auf-einer-linie/ ist zu lesen:
Das Ende eines unerklärlichen Unterschieds — Stellungnahme zur Diskussion der Begriffe Supervision und Coaching
20. Oktober 2011 Allgemein Beratung Coaching Supervision

Beratungskund/innen, Auftraggeber/innen und auch Beratungsexpert/innen fragen nach einer griffigen Unterscheidung zwischen Supervision und Coaching. Alle bisherigen Versuche, Unterschiede zu markieren, haben kaum zu Gewinn geführt. Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv) betont die Gemeinsamkeiten: Menschen und Organisationen/Unternehmen auf ihrem herausfordernden Entwicklungsweg durch Reflexion zu unterstützen ist übergeordnetes Ziel.

Hintergrund
Zunächst ist festzuhalten, dass einige prominente Autor/innen, die die Frage nach dem Unterschied zwischen Supervision und Coaching fachlich erörtern, zunehmend von einer „Nähe“ der  Gegenstandsbereiche, Verfahren, Funktionen oder Ziele sprechen, die jeweils unter den Überschriften Supervision und Coaching diskutiert werden (Buer 2005: 278ff.; Kühl 2008: 15f.; Taffertshofer 2008: 201; Schreyögg 2010: 393); andere Autor/innen legen ihr Augenmerk auf die Bedeutung, die die Herausarbeitung von Spezifika haben könnte (Tonhäuser 2010: 61; Fietze 2011: 27); Haubl (2011: 18) schließlich markiert Unterschiede in den Konzepten und weist zugleich auf die Unschärfen der Praxis hin.
Fachlich ist die Frage des Unterschieds zwischen Supervision und Coaching nicht entschieden; eine Bewertung der bisherigen Debatten weist möglicherweise darauf hin, dass die Suche nach einer Unterscheidung ein unmögliches Unterfangen zur Beantwortung einer „prinzipiell unentscheidbaren Frage“ (Heinz von Foerster) darstellt. Letztlich ist auch festzuhalten, dass die Beantwortung der genannten Unterscheidungsfrage zudem dadurch außerordentlich erschwert wird, dass der Begriff Coaching durch seine unkontrollierte Nutzung weitgehend entgrenzt ist und jeder Abgrenzungsversuch immer auch die Gefahr der Abwertung seriöser und professioneller Beratungsangebote nach sich ziehen kann – sowohl im Coaching wie in der Supervision.

Positionen
Die DGSv betrachtet die Fortführung einer Diskussion zur Differenz zwischen Supervision und Coaching als nicht gewinnbringend und erklärt stattdessen:

  • Menschen und Organisationen, die die Herausforderungen der Arbeitswelt aktiv selbst gestalten und sich dabei beratend unterstützen lassen wollen, fragen heute gleichermaßen Supervision oder Coaching als anspruchsvolle professionelle Beratungsleistungen nach. Die Mitglieder der DGSv bieten diese Leistungen an. Grundlegendes Ziel ihres Beratungsangebotes ist es, Menschen und Organisationen/Unternehmen im Umgang mit den Herausforderungen der Arbeitswelt zu unterstützen.
  • Die Mitglieder der DGSv verfügen durch ihre exzellente Qualifikation, ihre breite Erfahrung in Organisationen und Unternehmen sowie durch ihren anspruchsvollen Fachdiskurs und ihre vitale Selbstorganisation über ausgewiesene Expertise zu Entwicklungsthemen in Arbeit und Beruf. Sie kennen die Arbeitswelt und ihre vielfältigen Schattierungen. Sie setzen sich mit den Veränderungen der Arbeitswelt in Weiterbildung, Praxis und Forschung auseinander. Ihre Beratungsleistungen unterstützen Menschen und Organisationen in ihrer Entwicklung. Die DGSv ist ihr Berufs- und Fachverband und bündelt ihr Engagement für eine verantwortlich gestaltete Arbeitswelt.
  • Die Mitglieder der DGSv bieten Beratungsleistungen mit diesen Merkmalen an:
    Themen und Prozess einer Beratung sind ihnen gleichermaßen wichtig
    Ratsuchende sehen sie als Partner/innen auf Augenhöhe
    Vertraulichkeit im Persönlichen verbinden sie mit Offenheit in der Sache
    Unterschiedliche Perspektiven (bspw. personal, intersubjektiv, organisational) wahrzunehmen, sie in der Beratung zu nutzen und ggf. zu integrieren, ist ihre besondere Fähigkeit
    Zielorientierung und Ergebnisoffenheit sind für sie kein Gegensatz
    Ein ethischer Kodex und die überprüfte und überprüfbare Qualität ihrer Beratung
    sind grundlegend für ihre Leistungen
    Jeden Beratungsprozess verstehen sie als „Unikat“, „Beratungsschablonen“ sind für
    sie kein professionelles Angebot
    Ihre Beratung verbindet die Sicht auf Personen mit der Sicht auf Systeme und Kontexte
    Ihr „Blick von der Systemgrenze“ liefert neue Erkenntnisse
  • Die Mitglieder der DGSv setzen ihre Kompetenzen in Supervision und Coaching je nach Anlass und Themenstellung ein
    zum vertieften Verstehen von Praxis (Reflexion)
    um differenzierten Erwerb neuer Kompetenzen (Wissen, Können, Haltung)
    zur Begleitung veränderter Praxis (Transfer)

 
Quellen
Buer, Ferdinand (2005): Coaching, Supervision und die vielen anderen Formate. Ein Plädoyer für ein friedliches Zusammenspiel. Organisationsberatung Supervision Coaching, 12 (3), 278-297.
Fietze, Beate (2011): Chancen und Risiken der Coachingforschung – eine professionssoziologische Perspektive, in: Wegener, Robert; Fritz, Agnès; Loebbert, Michael (Hrsg.): Coaching entwickeln. Forschung und Praxis im Dialog. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 24-33.
Haubl, Rolf (2011): Coaching und Supervision. Wie paradigmatisch sind die Differenzen? in: Deutsche Gesellschaft für Supervision e. V. (DGSv) (Hg.): Beratungsexpertise für die Arbeitswelt. Ausgewählte Formate der Beratung in Organisationen und Unternehmen, Köln: Eigenverlag, 15-18.
Kühl, Stefan (2008): Coaching und Supervision. Zur personenorientierten Beratung in Organisationen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Schreyögg, Astrid (2010): Supervision. Ein integratives Modell. 5. erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Taffertshofer, Andreas (2008): Der Coaching-Boom. Eine Printmedienanalyse. Organisationsberatung Supervision Coaching, 15 (2), 194-206.
Tonhäuser, Cornelia (2010): Implementierung von Coaching als Instrument der Personalentwicklung in deutschen Großunternehmen. Frankfurt a. M.: Peter Lang.